„Stuttgart ist eine Fahrradstadt!“

„Stuttgart ist eine Fahrradstadt!“

Das Thema Nachhaltigkeit gehört seit 2017 zu den vier strategischen Bereichen der Landesbank Baden-Württemberg. Ein wichtiger Teil davon ist der Bereich Mobilität, der im Strategischen Einkauf des Konzerns angesiedelt ist. Ein Gespräch mit der Leiterin Katharina Doedens und Andreas Pignataro über die Leidenschaft für das Radfahren, neue Mobilitätsstrategien und Überzeugungsarbeit.

Vom Radfahren überzeugt: Katharina Doedens und Andreas Pignataro im Innenhof der LBBW

Frau Doedens, Sie kümmern sich bei der Landesbank Baden-Württemberg um das Thema nachhaltige Mobilität und werben unter anderem dafür, dass die Beschäftigten mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Konnten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen überzeugen?

Katharina Doedens: Wir haben einen großen Konkurrenten bei unseren Bemühungen – den Stuttgarter Hauptbahnhof direkt neben unseren Bürogebäuden. Der Großteil der Beschäftigten an unserem Standort im Europaviertel nutzt den öffentlichen Nahverkehr und zählt damit ohnehin zur Gruppe der nachhaltigen Pendlerinnen und Pendler. Die potentielle Zielgruppe, die wir mit unseren Angeboten erreichen können, ist daher von vornherein etwas kleiner. Firmen auf der grünen Wiese haben da ein wesentlich größeres Potenzial. Daran gemessen sind wir sehr zufrieden mit dem, was wir bisher erreicht haben bei der Fahrradförderung.

Was wäre das konkret?

Katharina Doedens: Wir haben einen ganzen Strauß an Radthemen. Zunächst haben wir für die Infrastruktur gesorgt, also beispielsweise für ausreichende Duschräume und Umkleidekabinen. Gleichzeitig wurde der Radkeller deutlich vergrößert. Und wir haben als weitere bauliche Maßnahme insgesamt 20 E-Bike-Ladesäulen vor dem Haus installieren lassen. Dort kann jeder Beschäftigte seither kostenlos sein E-Bike laden. Es geht uns bei allem zuvorderst darum, das Angebot möglichst attraktiv zu machen.

Seit wann läuft die Radförderung?

Andreas Pignataro: Die Anfänge gehen auf das Jahr 2017 zurück, da haben wir im Zuge unserer Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen, dass wir hier aktiv werden wollen. Parallel zu den Verbesserungen bei der Infrastruktur haben wir z.B. bei der PendlerRatD-Studie der Hochschule Heilbronn mitgemacht. Die Studie hat das Ziel, Auto-Pendler für das Radfahren zu begeistern. Und wir haben vergangenes Jahr das Jobrad bei uns eingeführt.

Wie viele Beschäftigte haben das Angebot bisher genutzt?

Andreas Pignataro: Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein Fahrrad über Jobrad geleast. Sie leisten seither einen spürbaren Beitrag, den CO2-Fußabdruck des Konzerns zu verringern, was uns sehr wichtig ist.

Was unternimmt die LBBW ansonsten, um den CO2-Fußabdruck möglichst gering zu halten? 

Das Thema Nachhaltigkeit gehört seit 2017 zu den vier strategischen Stoßrichtungen der Bank und wirkt sich zwischenzeitlich überall aus, vom Gebäudemanagement über die Produkte, die die LBBW und ihre Tochter BW-Bank für Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden anbietet, bis zur Mobilität. Wir haben beispielsweise unsere Poolfahrzeuge komplett auf Elektroantrieb umgestellt. Und auch bei den Dienstwagen und Firmenfahrzeugen versuchen wir dahingehend zu lenken, dass nachhaltige Fahrzeuge geleast werden. Aus diesem Grund haben wir schon vor längerer Zeit ein Bonus-Malus-System eingeführt. Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß werden zusätzlich mit einem monatlichen Aufschlag belastet, der auch tatsächlich einbehalten wird. Ein niedriger Ausstoß wird mit einem Bonus belohnt. Auf diesem Weg konnten wir die CO2-Quote deutlich reduzieren.

Das Team CO2-Fußabdruck der LBBW, engagiert sich bei der LBBW für den Klimaschutz.

Wie kommt es, dass bei der LBBW der Strategische Einkauf für das Thema Nachhaltige Mobilität und damit auch die Fahrradförderung zuständig ist?

Katharina Doedens: Wir verantworten im Einkauf die Warengruppe Mobilität. Dazu gehört der gesamte Fuhrpark, vom Fahrzeugpool für Vertriebsmitarbeitende bis zu den Dienst- und Firmenfahrzeugen für die Beschäftigten. Das ist das klassische Modell, unter dem man früher Betriebliches Mobilitätsmanagement verstanden hat. Da die Bereiche Nachhaltigkeit und Mobilität immer wichtiger werden, haben wir das gesamte Konzept weiterentwickelt und beispielsweise um eine ganze Reihe an Sharing-Angeboten wie Stella-Roller, Car2Go oder auch Stadtmobil ergänzt. Bei der Fahrradförderung kommt sicherlich noch hinzu, dass wir beide leidenschaftliche und überzeugte Radfahrer sind, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen.

Haben sie diese Leidenschaft für das Radfahren aus Hamburg mitgebracht, Ihrer Heimatstadt? Und wie kommen Sie in der Autostadt Stuttgart mit dem Rad klar?

Katharina Doedens: In Hamburg fährt jeder Fahrrad, das stimmt. In Freiburg, wo ich studiert habe, fährt auch jeder mit dem Rad. Als ich nach Stuttgart zog, wurde mir erklärt, in Stuttgart ginge das nicht. Einige Zeit habe ich das geglaubt. Dann habe ich beschlossen, es einfach zu probieren, seither fahre ich auch in Stuttgart fast nur noch mit dem Rad. Ich wohne am Stöckach und habe mir diesen Wohnort ganz gezielt so ausgesucht, dass ich problemlos und ohne große Steigungen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann.

Andreas Pignataro: Ich fahre immer mit dem Rad zur Arbeit, einem einfachen Klapprad. Das reicht in meinem Fall völlig, da ich am Feuersee wohne und es nicht sehr weit habe. Die oft zugeparkten Radwege sind aber leider nicht selten ein Problem, und über die großen Straßen zu kommen, ist auch nicht immer einfach. Das ist halt das Problem in einer Autostadt wie Stuttgart.

Katharina Doedens: Diese Argumente höre ich häufig in den Gesprächen. Ich sage dann immer: Anderswo ist es auch nicht besser. Wenn man will, dann geht es auch. Für mich ist Stuttgart eine Fahrradstadt.

Da klingt die Überzeugungstäterin durch! Ist es wichtig, hinter dem zu stehen, wovon man andere überzeugen will?

Katharina Doedens: Absolut. Wenn man das Fahrrad aus seinem Nischendasein holen will, muss man mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen in der Kantine bin, geht es in den Gesprächen meistens ziemlich schnell um das Radfahren. Die Infrastruktur zu schaffen, Angebote zu machen und einen guten Service zu bieten, ist die eine Sache. Es ist aber auch wichtig, für ein Thema zu begeistern. Und das mache ich gerne und aus Überzeugung.

Ein Ergebnis dieser Begeisterungsfähigkeit ist der dritte Platz, den die Landesbank Baden-Württemberg bei der landesweiten Initiative Stadtradeln belegt hat. Freut Sie das gute Ergebnis?
Katharina Doedens: Darauf sind wir natürlich sehr stolz, zumal wir den dritten Platz bereits im vergangenen Jahr auf Anhieb belegt hatten, also bei unserer ersten Teilnahme. In diesem Jahr konnten wir die Platzierung bestätigen, wobei wir diesmal die Zahl der Teilnehmenden noch deutlich steigern konnten.

Und wann ist die Bank reif für den Titel? Oder anders gefragt: Gibt es Pläne, wie die Radförderung noch weiter ausgebaut werden könnte?

Andreas Pignataro: Wir wollen nun zunächst eine umfassende Befragung unter den Beschäftigten durchführen, um den Modal Split zu erheben, also die jeweiligen Anteile der Verkehrsmittel. Auf dieser Basis können wir dann gezielt zusätzliche Angebote entwickeln. Beispielsweise wollen wir das Thema Sharing noch weiter forcieren. Gleichzeitig haben wir vor, auch andere Standorte und Hauptsitze verstärkt in den Blick zu nehmen, etwa bezüglich der Infrastruktur. Unser Standort Stuttgart ist mit allem bisher Erreichten dabei der Pilot, der zeigt, wie nachhaltige Mobilität umgesetzt werden kann.

Katharina Doedens: Durch die COVID-19-Pandemie und den verstärkten Anteil an Homeoffice sind wir, wie viele andere Unternehmen auch, gerade in einer Umbruchphase. Im Sommer und Herbst 2021 lagen wir bei einer Präsenzquote von vielleicht 40 Prozent, das Niveau der Zeit vor Corona werden wir wohl nie mehr erreichen. Auch deshalb müssen wir umdenken und neue Möglichkeiten schaffen. Wir haben alleine am Standort Stuttgart 6.000 Beschäftigte, im Gesamtkonzern sind es 10.000. Darin steckt genug Potenzial, um für neue Mobilitätskonzepte zu begeistern.

ZUR PERSON


Katharina Doedens ist Leiterin der Gruppe Strategischer Einkauf bei der Landesbank Baden-Württemberg und als solche auch für das betriebliche Mobilitätsmanagement des Konzerns zuständig. Sie ist Teil des Teams CO2-Fußabdruck der LBBW, dessen Aufgabe es ist, mit kleinen und großen Maßnahmen die Klimabilanz der Bank zu verbessern. Als Bezirksbeirätin in Stuttgart-Ost und überzeugte Radfahrerin setzt sie sich unter anderem für den Themenbereich „Radverkehr und Mobilität“ im Stadtbezirk ein. Mit sechs Fahrrädern ist sie für alle Lebenslagen auch ohne Auto gut ausgerüstet.


Andreas Pignataro ist strategischer Einkäufer für die Warengruppe Mobilität und Fuhrpark bei der Landesbank Baden-Württemberg und bereits seit 2016 in dieser Position. Er engagiert sich ebenfalls im Team CO2-Fußabdruck und ist Experte für eMobilität. Auch er kommt immer mit dem Fahrrad zu seinem Arbeitsplatz im Europaviertel.

 

Fahrradpendler Patrick Funk an der E-Bike-Ladestation der LBBW

Aus Überzeugung aufs Rad gestiegen

Rund 500 Beschäftigte der Landesbank-Baden-Württemberg haben sich bisher für ein Jobrad-Leasing gemeldet, das der Konzern seit vergangenem Jahr im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie anbietet. Einer von ihnen ist Patrick Funk, der als Managementberater am Standort im Europaviertel arbeitet und in Esslingen wohnt. Rund 20 Kilometer lang ist sein Arbeitsweg, was für viele Berufspendler ein guter Grund ist, nach dem Frühstückskaffee ins Auto oder die Bahn zu steigen. Bei Patrick Funk ist das seit einem guten Jahr anders. Er fährt bei nahezu jedem Wetter mit seinem E-Bike am Neckar entlang und durch den Stuttgarter Schlossgarten zu seinem Arbeitsplatz im Europaviertel. Eine knappe dreiviertel Stunde braucht er für die Fahrt, wobei er es morgens entspannt angeht, wie er sagt. Ziel ist, so im Büro anzukommen, dass er keinen der neuen Duschräume nutzen muss. „Wenn man mit Unterstützung radelt, ist das kein Problem“, sagt er.

Vor seiner Entscheidung, sich für das Jobrad-Leasing zu melden, hatte Funk zusammen mit Kolleginnen und Kollegen an einer Studie der Hochschule Heilbronn zum Pendlerverhalten teilgenommen und dafür für einige Monate ein E-Bike zur Verfügung gestellt bekommen. Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit gemacht hat, hätten ihn überzeugt, sagt er. Aus Überzeugung hatte er sich dann auch noch für die bankinterne Arbeitsgruppe gemeldet, die das Jobrad-Angebot der LBBW vorbereitet hat. „Morgens auf das Fahrrad zu steigen und sich erstmal entspannt zu bewegen, ist eine absolut gute und stressfreie Sache“, sagt er.

Die vollen S-Bahnen gehören seither der Vergangenheit an, sein VVS-Monatsabo hat Funk zwischenzeitlich zurückgegeben. Stattdessen ist er, wann immer es möglich ist, mit dem E-Bike unterwegs, mittlerweile auch zu seinen Workshops, die er immer wieder an verschiedenen Standorten hält. Nach der entspannten Hinfahrt am Morgen ist Patrick Funk nach getaner Arbeit meist etwas sportlicher unterwegs, oft hängt er noch ein paar Kilometer dran, fährt über den Fellbacher Kappelberg, durch die Weinberge oder radelt anderswo durch die Gegend, wie er sagt. „Mit dem Jobrad habe ich viel Bewegung in meinen Tag gebracht“, sagt Funk, der sein persönliches Mobilitätsmodell gefunden hat, wie er betont: „Das Auto steht die meiste Zeit in der Garage.“