Unterwegs mit dem eZweirad und eDreirad

E-Bike-Region Stuttgart, @Jan Bürgermeister (www.fotostate.de)

Nachhaltig, modern und gesund – unterwegs mit dem E-Zweirad und E-Dreirad

Es war an einem schönen Sommertag im Jahr 1817, als mit einer kleinen Spazierfahrt Geschichte geschrieben wurde. An diesem Tag, dem 12. Juni, fuhr Karl Freiherr von Draiss auf einer Laufmaschine Marke Eigenbau von Schloss Mannheim bis zur kurfürstlichen Sommerresidenz in Schwetzingen und wieder zurück. Für die 12,8 Kilometer lange Strecke benötigte der badische Forstbeamte und geniale Konstrukteur gerade einmal „eine kleine Stunde“, wie er sich später erinnerte. Damit war er dreimal so schnell wie die Postkutschen seiner Zeit.

Heute, 200 Jahre später, ist das Fahrrad das am meisten genutzte Transportmittel weltweit. Für immer mehr Menschen ist das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule schon jetzt eine mobile Alternative, die durch die Elektrifizierung erneut einen enormen Schub erfahren hat. Der Anteil an Kohlendioxid, der bei dieser Art der umweltfreundlichen Fortbewegung vermieden wird, ist enorm: Knapp 6000 Tonnen Co² sind alleine im Jahr 2017 im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Stadtradeln“ eingespart worden, weil über 220.000 Menschen drei Wochen lang ihre Alltagsstrecken konsequent mit dem Fahrrad zurückgelegt und dieses zu ihrem Haupttransportmittel erklärt haben.

In den Mobilitätskonzepten der Kommunen in der Region Stuttgart sind die Zweiräder zunehmend ein wichtiger und tragender Baustein. So engagieren sich viele Städte beispielsweise für die Einbindung von E-Bikes in das Mobilitätsmanagement von Firmen. Gleichzeitig wird der kommunale Fahrradverleih konsequent ausgebaut und durch immer neue Angebote erweitert. Vielfach können Nutzer an den städtischen Stationen nicht nur herkömmliche Fahrräder und Elektroräder leihen, sondern auch Tandems, E-Dreiräder oder elektrifizierte Rikschas.

 

PROJEKTE der Modellregion für nachhaltige Mobilität (2012 – 2021)

Mit dem Rad in den Bus – Fahrrad2Go im Rems-Murr-Kreis

Fahrrad2Go, LRA Rems-Murr-Kreis

Rauf aufs Fahrrad oder besser doch mit dem Bus oder der Bahn? Im Rems-Murrs-Kreis lautet die Antwort auf diese Frage statt einem „entweder oder“ immer öfters „sowohl als auch“. Um den ÖPNV als Alternative zum Autoverkehr zu stärken und attraktiver zu gestalten, hat der Landkreis im Rahmen seines Klimaschutzkonzeptes das Projekt „Fahrrad2Go“ gestartet. Mit Hilfe neu konstruierter Fahrradträger können bei jeder Busfahrt bis zu 10 Fahrräder im täglichen Linienverkehr kostenlos mitgenommen werden. Bis zu 5 Fahrräder im Bus und weitere 5 Fahrräder huckepack am Heck – das ist in Deutschland einmalig und wurde vom Land Baden-Württemberg mit dem ÖPNV-Innovationspreis 2015 ausgezeichnet! Fahrrad2Go wurde von der Kreisverwaltung gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), dem Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR) und der Hochschule für Technik Esslingen entwickelt. Gestartet wurde das Mobilitätsangebot im Jahr 2014 auf einer Linie, mittlerweile kann man sein Fahrrad im Rems-Murr-Kreis auf vier Buslinien kostenlos mitnehmen.

Fahrrad2Go/Rems-Murr-Kreis

Elelektrisiert durch die Region – die E-Bike Region Stuttgart

Elelektrisiert durch die Region: Das bedeutet 400 Kilometer Fahrspaß durch die fünf Landkreise Ludwigsburg, Rems-Murr, Böblingen, Esslingen und Göppingen – ungeachtet manch schwieriger Höhenprofile. Unter der Federführung des Landratsamts Rems-Murr und mit Unterstützung des VVS haben im Projekt „E-Bike-Region Stuttgart“ Partner aus dem Tourismusbereich ein attraktives, regionsweites E-Bike-Verleihangebot geschaffen. Die Hauptroute bietet sich an für Ausflüge in die Natur und führt entlang von Kulturstätten, Sehenswertem und regionalen Einkehrmöglichkeiten. Damit den Pedelecs und ihren Fahrern nicht die Puste ausgeht, ist für die passende E-Bike-Infrastruktur gesorgt: 45 Pedelec-Verleihstellen und über 100 fahrradfreundliche Betriebe mit Ladestation stehen entlang der Route bereit. Zusätzlich zur Hauptroute werden (geführte) Tagestouren angeboten. Ob Haupt- oder Nebenroute: das Online-Buchungsportal im Internet bietet ein umfassendes Service- und Informationsangebot. Für ihr Engagement zur Förderung der Elektromobilität im Radtourismus, für Innnovation und Nachhaltigkeit wurde die E-Bike-Region Stuttgart vom Land Baden-Württemberg mit dem Radtourismuspreis 2017 ausgezeichnet. www.e-bike-region-stuttgart.de

Göppingen: Trotz Handicap mit dem Fahrrad unterwegs

In Göppingen unterwegs, Albstore GmbH

In Göppingen werden spezielle, auf die Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Menschen konstruierte Elektro-Dreiräder eingesetzt, um trotz Handicap möglichst selbständig und ohne Fahrdienste Dritter in Alltag und Freizeit mobil bleiben zu können. Zusätzlich zu den Verleih-Elektro-Dreirädern, die mehr Sicherheit und Stabilität bieten als ein klassisches Pedelec, stehen auch Duo-Dreirad-Pedelecs zur Verfügung. Diese haben – je nach Ausführung – zusätzlich Platz für einen Rollstuhlfahrer als Tandemfahrer oder einen zusätzlichen Mitfahrer als Begleitperson. Die verschiedenen Elektro-Dreiräder werden mittlerweile auch in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten und in der Betreuung von demenzkranken Menschen eingesetzt. Um das Radeln für Menschen mit Behinderung auch in deren Freizeit attraktiv zu machen, wurde ein Radwegenetz mit geeigneten Streckenabschnitten katalogisiert. Für den Transport der Elektro-Dreiräder steht ein Fahrradanhänger bereit.

Sindelfinger Radhäusle

Sindelfinger Radhäusle @www.andreas-labes.de

Das Thema Fahrradparken im öffentlichen Raum gewinnt zunehmend an Bedeutung. Eine innovative Lösung ist das „Sindelfinger Radhäusle“, das Radfahrern eine komfortable, sichere, wetterfeste und vor Diebstahl und Vandalismus geschützte Abstellmöglichkeit für ihre Zweiräder bietet. Die Einrichtung wurde in einem kooperativen Verfahren zusammen mit Bürgern, Designern und Stadtplanern als mobiles, attraktives Stadtmöbel in Holzbauweise gestaltet und fügt sich in unterschiedliche öffentliche Räume modular und flexibel ein. Das erste Radhäusle steht am Bahnhof und bietet Platz für zwei Fahrräder. Weitere Radhäusle sind im Rahmen des Umbaus des Sindelfinger Bahnhofs zur intermodalen Mobilitätsdrehscheibe geplant.